Hannes berichtet

Zwei Jahre vor meinem Aufenthalt an der Kings‘ Academy war ich schon einmal in Afrika. Damals habe ich allerdings in Kenia und Tansania Urlaub gemacht und nur einen sehr kurzen Einblick in die Projekte von Bonfaremo und vor allem in das afrikanische Leben bekommen.

Dementsprechend groß war meine Vorfreude zurückzukehren und zwar dieses Mal für längere Zeit, welche, wie sich herausstellen sollte, mit vollkommen anderen Erfahrungen verknüpft sein würde. Als Tourist bekommt man die wunderschöne Landschaft präsentiert, um allerdings die Menschen und das wirkliche Leben in Afrika zu Gesicht zu bekommen, muss man sich mehr Zeit nehmen.

Ich kam damals wie eigentlich alle Volontäre in Nairobi an und ich bin sehr froh, dass sich die drei anderen, die zu dieser Zeit an dem Projekt in Kenia halfen, sich bereit erklärten, mich vom Flughafen abzuholen. Denn ich hasse Nairobi. Die meisten Plätze in Afrika sind sehr ruhig, wenige Menschen auf einem Fleck (außer vielleicht am Markt) und das Motto lautet „Pole pole“ was soviel heißt wie „ganz ruhig, mach mal langsam“. Nairobi allerdings ist das genaue Gegenteil. Rund um die Uhr hupen laute Busse, es sind unglaublich viele Menschen auf den Straßen und immer wenn man dort ist, wird man selbst hektisch. Es mag sein, dass Nairobi eine ganz durchschnittliche Großstadt ist (mit sehr lauten nervigen Bussen) und sie einem nur so schlimm vorkommt, da man die ruhigeren Gebiete Afrikas gewohnt ist; ich werde diese Stadt trotzdem niemals ins Herz schließen können.

Nach meiner Ankunft sind wir vom Flughafen in die Stadt fahren, was mit dem Bus normalerweise ungefähr eine halbe Stunde dauert. Allerdings nur, wenn der Busfahrer auch die richtige Strecke fährt … Zwei Stunden später kamen wir in der Stadt an und darauf folgte die 6-7 Stunden lange Fahrt nach Ngama. Das war allerdings kein Problem, denn mit etwas Glück bekommt man bei dieser Fahrt fast so viel zu sehen wie bei einer Safari und man kann die Zeit nutzen, seine neuen Freunde bzw. Kollegen und Mitbewohner kennenzulernen. Zumindest wenn sie so nett sind und einen aus Nairobi abholen kommen. Danke nochmal dafür!

Da sich meine kleine Odyssee durch Nairobi ein wenig lange hingezogen hatte, kam ich erst um 2:00 Uhr morgens in Ngama an und lernte dort einen leicht verschlafenen Peter kennen, der sich trotz der späten Stunde wahnsinnig freute mich zu sehen und, obwohl ich auch sehr erschöpft war, mir erst einmal etwas zu essen auftischte. Ich kam an einem Freitag an, was hieß, die nächsten beiden Tage keine Schule, keine Arbeit und somit genügend Zeit anzukommen und jeden kennenzulernen.

Mama Caro und Peter als die Eltern und Caro, Nancy und Davie. Ich habe diese Familie sehr schnell ins Herz geschlossen und viele gute als auch manchmal eine negative Erinnerung gesammelt. Beispielsweise führten wir Volontäre einen ewigen Krieg gegen den Fernseher, der rund um die Uhr lief und jedem Gespräch beim Essen ein jähes Ende setzte.

Wir wohnten mit der Familie unter einem Dach, hatten allerdings unsere eigenen Räumlichkeiten, die sich aus einem Raum mit zwei Sofas und einem Sessel, zwei Schlafzimmern und einer abgetrennten Ecke, die wir gerne als „Badezimmer“ bezeichneten, zusammensetzten. Dieses „Badezimmer“ bestand eigentlich nur aus einem mit Wasser gefülltem Eimer und einem Becher, den man zum Duschen benutzte. In den letzten Wochen meines Aufenthaltes haben wir unsere Räumlichkeiten noch um eine kleine aber feine Küche erweitert, die ihren Namen bei weitem mehr verdient als das „Badezimmer“.

Und dann begann auch schon die Arbeit: Bei meiner Ankunft wurde gerade ein neues Gebäude gebaut, in das zwei neue Klassenzimmer kommen sollten. Zu dem Zeitpunkt waren das Fundament und der Großteil der Mauern bereits fertiggestellt. Da zwei von uns (Verena und Lena) an diesem Tag für eine Woche an den Strand nach Tansania gefahren waren, arbeitete ich mit Linus alleine weiter.

Eine Aufgabe zu Beginn war beispielsweise einen Graben auszuheben, der direkt auf der Längsseite des Gebäudes verlief und der dann mit großen Steinen wieder aufgefüllt werden sollte, um dort einen Art Gehsteig anzulegen. Diese Arbeit wäre in Deutschland kein Aufwand, erst recht nicht zeitlich, allerdings hatten wir keine Maschinen, sondern nur eine Schaufel und ein Werkzeug zum Umgraben der Erde auf dem Feld. Somit brauchten wir alleine zum Ausheben des Grabens über zwei Tage. Für den Rest brauchten wir noch länger, da – so genau es ging – ausgemessen werden musste, wie wir die Steine zu platzieren hatten, um dann die Lücken mit Erde zu füllen und das Ganze noch mit Beton zu überziehen. Natürlich gibt es auch keinen Betonmischer oder Ähnliches, auch hier heißt es Handarbeit.

Wenn man allerdings dann verschwitzt, voll Dreck und mit großen Blasen an den Händen wieder Zuhause ankommt, hat man das wundervolle Gefühl heute richtig was geschafft zu haben.

Aber natürlich ist nicht nur körperliche Arbeit Teil des Aufenthalts. Man darf nicht vergessen, wir sind eine Schule und an einer Schule gibt es viele kleine Kinder, die unbedingt alle gleichzeitig auf einem umher klettern wollen. Die Kinder haben jeden Tag bis 15:00 Uhr Schule und zu Mittag immer ca. eine Stunde frei. Mittlerweile haben die Kinder eine Schaukel, eine Wippe (fraglich, ob sie den Kindern auf Dauer standgehalten hat) und uns. Ich habe zwar lange gebraucht bis ich mir alle Namen merken konnte, besonders weil sich die Schüleranzahl fast verdoppelte als das neue Gebäude fertig war, aber sie waren alle unglaublich freundliche Kinder, die man einfach gern haben musste. Und auch die restlichen Angestellten der Schule waren allesamt sehr nett und herzlich – besonders unser „Fundi“ (eine Art Vorarbeiter auf der Baustelle), aus diesem Mann wurde man nicht schlau. Man wusste nie, wann er die Wahrheit sagte und wann er einen veräppelte und er erstaunte uns immer wieder, denn dieser Mann mit seinen ca. 70 Jahren arbeitete mehr und schneller als jeder andere, den ich in Afrika getroffen habe.

Über die Weihnachtsfeiertage und Silvester unternahmen wir einen kleinen Urlaub am Strand von Mombasa. Kurz zuvor mussten wir Abschied von Verena nehmen und am Tag vor Silvester trat auch Lena die Heimreise an. Als wir danach zurückkamen stellten wir das neue Gebäude endgültig fertig. Nun widmeten wir uns anderen Aufgaben wie beispielsweise der Reparatur des kaputten Tores, und fuhren des Öfteren nach Tansania, um die anderen Projekte von Bonfaremo zu besuchen und zu unterstützen.

Die letzten Wochen vergingen leider viel zu schnell und ehe ich mich versah musste auch ich wieder abreisen. Ich werde die Zeit in Kenia jedoch nie vergessen und freue mich bereits auf einen neuen Besuch!

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